Wenn über CBD gesprochen wird, geht es meist um Milligramm. Doch die Menge an CBD in einem Produkt sagt nicht alles darüber aus, wie viel tatsächlich ins Blut gelangt. Das hängt von der Bioverfügbarkeit ab, die sich je nach Aufnahmeweg stark unterscheidet. In diesem Artikel erklären wir, was Bioverfügbarkeit ist, warum der Körper CBD schlecht aufnimmt und was Studien über verschiedene Wege in den Körper zeigen.
Dieser Artikel dient nur der Information und beschreibt, was die Forschung über die Aufnahme von CBD im Körper sagt. Er ist keine medizinische Beratung und gibt keine Empfehlungen zu Dosierung oder Anwendung. CBD kann beeinflussen, wie einige Medikamente in der Leber abgebaut werden. Wenn du Medikamente nimmst, sprich daher mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor du CBD verwendest.
Kurz erklärt
- Bioverfügbarkeit ist der Anteil eines Stoffes, der unverändert in den Blutkreislauf gelangt.
- CBD ist fettlöslich und löst sich schlecht in Wasser, weshalb der Körper es nur schwer aufnehmen kann.
- Wird CBD geschluckt, wird ein großer Teil davon in der Leber abgebaut, bevor es ins Blut gelangt. Forschende schätzen, dass nur etwa 6 Prozent das Blut erreichen.
- Eine schwedische Studie von 1986 ergab, dass beim Inhalieren im Durchschnitt 31 Prozent des CBD ins Blut gelangten.
- Die Zahlen beruhen auf wenigen und oft kleinen Studien und unterscheiden sich stark von Mensch zu Mensch.
Was ist Bioverfügbarkeit?
Bioverfügbarkeit ist ein Begriff aus der Pharmakologie. Er beschreibt, wie viel eines Stoffes unverändert in den allgemeinen Blutkreislauf gelangt. Ein Stoff, der direkt ins Blut gegeben wird, etwa als Injektion in eine Vene, hat per Definition eine Bioverfügbarkeit von 100 Prozent. Bei jedem anderen Weg in den Körper geht unterwegs ein Teil des Stoffes verloren.
Wie viel verloren geht, hängt vom Weg ab, den der Stoff nimmt. Manche Wege umgehen Verdauungstrakt und Leber, während andere durch sie hindurchführen und einen großen Teil des Stoffes verlieren, bevor er ins Blut gelangt.
Warum kann der Körper CBD so schwer aufnehmen?
CBD ist ein stark fettlösliches Molekül, das sich schlecht in Wasser löst. Die Flüssigkeiten des Körpers sind größtenteils wasserbasiert, daher kann sich CBD nur schwer lösen und die Darmwand passieren. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Aufnahme gering ist und so stark schwankt.
Der zweite Grund ist der sogenannte First-Pass-Effekt. Was aus dem Darm aufgenommen wird, gelangt zuerst zur Leber, bevor es den Rest des Körpers erreicht. In der Leber wird CBD von Enzymen abgebaut, vor allem von CYP3A4 und CYP2C19. Ein großer Teil des CBD wird daher umgewandelt, bevor es in den Blutkreislauf gelangt. Das ist auch der Grund, warum CBD den Abbau einiger Medikamente beeinflussen kann, denn dieselben Enzyme sind beteiligt.
Was Studien über verschiedene Wege in den Körper zeigen
Inhalation
Beim Inhalieren wird CBD über die Lunge aufgenommen und gelangt direkt ins Blut, ohne zuerst die Leber zu passieren. Eine schwedische Studie von Ohlsson und Kollegen aus dem Jahr 1986 maß, wie viel CBD ins Blut gelangte, wenn Freiwillige eine Zigarette mit markiertem CBD rauchten, und verglich dies mit CBD, das direkt in eine Vene gegeben wurde. Im Durchschnitt gelangten 31 Prozent ins Blut, doch die Unterschiede zwischen den Personen waren groß. Es ist eine der wenigen Studien, die das gemessen haben, und sie wurde mit Rauchen durchgeführt, nicht mit heutigen Vaporizern.
Über den Mund
Wird CBD geschluckt, etwa in einer Kapsel, einem Lebensmittel oder einem Öl, das geschluckt wird, passiert es den Verdauungstrakt und die Leber. Eine Übersichtsarbeit von 2020 in der Fachzeitschrift CNS Drugs beschreibt, dass die orale Bioverfügbarkeit beim Menschen auf etwa 6 Prozent geschätzt wird, mit sehr großen Unterschieden zwischen Personen.
Auch was sich gleichzeitig im Magen befindet, beeinflusst die Aufnahme stark. In einer klinischen Studie von 2018 mit einem Arzneimittel aus gereinigtem CBD war die Gesamtmenge an CBD im Blut etwa viermal höher, wenn die Teilnehmenden eine fettreiche Mahlzeit gegessen hatten, als wenn sie nüchtern waren. Das Fett hilft dem fettlöslichen Molekül, sich zu lösen und im Darm aufgenommen zu werden, und das ist einer der Gründe, warum die Zahlen verschiedener Studien so weit auseinandergehen.
Über die Mundschleimhaut
Theoretisch kann ein Teil des CBD direkt über die Mundschleimhaut aufgenommen werden und so die Leber umgehen. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2018 in Frontiers in Pharmacology kam jedoch zu dem Schluss, dass es nur wenige Studien gibt, dass sie sich in ihrem Aufbau stark unterscheiden und dass vieles, was in den Mund gelangt, ohnehin geschluckt wird. Wie viel wirklich über die Mundschleimhaut aufgenommen wird, bleibt daher unklar.
Auf der Haut
Die Haut ist dafür gemacht, Stoffe draußen zu halten, und ihre äußerste Schicht ist eine wirksame Barriere. CBD in Cremes und Balsamen wird daher größtenteils lokal in der Haut aufgenommen und gelangt nur in geringem Maß ins Blut. Forschende arbeiten an verschiedenen Formulierungen, um die Aufnahme über die Haut zu erhöhen, doch die meisten Studien wurden an Tieren durchgeführt. Mehr über Produkte für die Haut erfährst du in unserem Artikel zum wärmenden und kühlenden CBD-Muskelbalsam.
Warum die Zahlen so stark schwanken
Die Prozentangaben oben sind als grobe Richtwerte zu verstehen, nicht als exakte Werte. Die Forschung dazu, wie CBD beim Menschen aufgenommen wird, ist noch begrenzt, und viele Studien sind klein. Ein großer Teil der klinischen Forschung wurde zudem mit Arzneimitteln aus gereinigtem CBD durchgeführt, und die Ergebnisse lassen sich nicht immer auf andere Produkte übertragen.
Die Aufnahme unterscheidet sich außerdem von Mensch zu Mensch, unter anderem abhängig von Stoffwechsel, Körperzusammensetzung und dem, was gegessen wurde. Auch die Formulierung des Produkts spielt eine Rolle. Forschende untersuchen Nanoemulsionen und andere Formulierungen, die CBD für den Körper leichter aufnehmbar machen sollen, doch der Großteil dieser Forschung steht noch am Anfang.
Auch der Inhalt des Produkts zählt
Jede Forschung zur Bioverfügbarkeit setzt voraus, dass man weiß, wie viel CBD ein Produkt enthält. Das ist nicht immer der Fall. Als Forschende 2017 in den USA 84 online verkaufte CBD-Produkte testeten, entsprach der CBD-Gehalt nur bei etwa 31 Prozent der Angabe auf dem Etikett. Etwa 43 Prozent enthielten weniger als angegeben und 26 Prozent mehr.
Deshalb sind unabhängige Laborberichte wichtig. Ein Laborbericht zeigt, wie viel CBD und andere Cannabinoide ein Produkt tatsächlich enthält. Wie du einen solchen Bericht liest, erklären wir in unserem Ratgeber zu CBD-Laborberichten.
Was bedeutet Bioverfügbarkeit?
Bioverfügbarkeit ist der Anteil eines Stoffes, der unverändert in den Blutkreislauf gelangt. Ein Stoff, der direkt in eine Vene gegeben wird, hat eine Bioverfügbarkeit von 100 Prozent, während bei jedem anderen Weg in den Körper ein Teil verloren geht.
Wie hoch ist die Bioverfügbarkeit von CBD?
Sie schwankt stark. Über den Mund wird sie auf etwa 6 Prozent geschätzt, und beim Inhalieren fand eine schwedische Studie durchschnittlich 31 Prozent. Die Zahlen beruhen auf wenigen Studien und unterscheiden sich stark von Mensch zu Mensch.
Warum ist die Bioverfügbarkeit gering, wenn CBD geschluckt wird?
CBD ist fettlöslich und löst sich schlecht in Wasser, was die Aufnahme im Darm erschwert. Was aufgenommen wird, passiert zudem die Leber, wo ein großer Teil von Enzymen abgebaut wird, bevor es ins Blut gelangt.
Gelangt CBD aus Cremes ins Blut?
Nur in geringem Maß. Die Haut ist eine wirksame Barriere, und CBD in Cremes und Balsamen wird größtenteils lokal in der Haut aufgenommen.
Kann CBD Medikamente beeinflussen?
Ja, das kann es. CBD wird von denselben Leberenzymen abgebaut wie viele Medikamente, darunter CYP3A4 und CYP2C19. Wenn du Medikamente nimmst, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor du CBD verwendest.
Quellen
- Ohlsson, A. et al. (1986). Single-dose kinetics of deuterium-labelled cannabidiol in man after smoking and intravenous administration. Biomedical & Environmental Mass Spectrometry, 13, 77–83.
- Perucca, E. und Bialer, M. (2020). Critical aspects affecting cannabidiol oral bioavailability and metabolic elimination, and related clinical implications. CNS Drugs, 34, 795–800.
- Millar, S. A. et al. (2018). A systematic review on the pharmacokinetics of cannabidiol in humans. Frontiers in Pharmacology, 9, 1365.
- Taylor, L. et al. (2018). A phase I, randomized, double-blind, placebo-controlled, single ascending dose, multiple dose, and food effect trial of the safety, tolerability and pharmacokinetics of highly purified cannabidiol in healthy subjects. CNS Drugs, 32, 1053–1067.
- Bruni, N. et al. (2018). Cannabinoid delivery systems for pain and inflammation treatment. Molecules, 23, 2478.
- Bonn-Miller, M. O. et al. (2017). Labeling accuracy of cannabidiol extracts sold online. JAMA, 318, 1708–1709.



