Hanf anbauen: vom Samen bis zur Ernte, und was erlaubt ist

Wie wächst Hanf vom Samen bis zur Ernte, wie wird er angebaut und darf man Hanf zu Hause anbauen? Wir erklären die Pflanze, den Anbau und die Regeln in Deutschland.
Hände, die Hanfsamen halten
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Hanf ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Er hat uns seit Jahrtausenden Seile, Segeltuch, Papier und Nahrung geliefert, und heute kehrt er auf Europas Felder zurück. Zwischen 2015 und 2022 wuchs die Anbaufläche für Faserhanf in der EU um 60 Prozent. Hier erklären wir, wie Hanf vom Samen bis zur Ernte wächst, wie er in der Praxis angebaut wird und was das Gesetz sagt, wenn du selbst anbauen möchtest.

Kurz erklärt

  • Hanf ist eine einjährige Pflanze, die in etwa vier bis fünf Monaten vom Samen bis zur Ernte wächst.
  • In der EU dürfen nur zugelassene Sorten angebaut werden, aus zertifiziertem Saatgut und mit höchstens 0,3 Prozent THC.
  • Nutzhanf dürfen in Deutschland nur landwirtschaftliche Unternehmen anbauen, und vor der Ernte wird der THC-Gehalt kontrolliert.
  • Nach dem Cannabisgesetz dürfen Erwachsene zu Hause bis zu drei Pflanzen anbauen.

Vom Samen zur Pflanze

Ein Hanfsamen ist eigentlich eine kleine Nuss mit einer harten, marmorierten Schale. Darin liegen der Keimling und ein Vorrat an Fett und Eiweiß, dieselben Nährstoffe, die Hanfsamen als Lebensmittel so beliebt machen. Bekommt der Samen Feuchtigkeit und Wärme, quillt er auf, die Schale bricht und eine Wurzelspitze schiebt sich heraus. Danach drücken sich die beiden Keimblätter durch die Erde, kurz darauf folgen die ersten echten Blätter mit ihren typischen gesägten Fiederblättchen.

Hanf keimt schon in recht kühler Erde. Laut den Anbauhinweisen des bayerischen Technologie- und Förderzentrums TFZ reicht eine Bodentemperatur von 5 bis 10 Grad, und der Samen sollte 3 bis 4 Zentimeter tief liegen. Zu tief gesät läuft er ungleichmäßig auf, zu flach trocknet er aus oder wird von Vögeln gefressen.

Der Lebenszyklus der Hanfpflanze

Nach der Keimung beginnt eine Phase schnellen Wachstums. Der Stängel streckt sich dem Licht entgegen, und in den langen Sommertagen kann Faserhanf mehrere Meter hoch werden. In dieser Zeit baut die Pflanze den Stängel auf, der die Faser liefert, und die Blattmasse, die später die Blüte antreibt.

Hanf ist eine Kurztagspflanze. Er beginnt zu blühen, wenn die Nächte lang genug werden, deshalb bestimmt die Tageslänge den Blühbeginn stärker als das Alter der Pflanze. Sorten, die für nördliche Breiten gezüchtet wurden, blühen früh, und in Nordeuropa blühen viele Sorten schon im Juli. Nach der Blüte bilden sich die Samen, und sobald sie reif sind, kann geerntet werden.

Männliche, weibliche und einhäusige Pflanzen

Wilder Hanf ist zweihäusig, es gibt also getrennte männliche und weibliche Pflanzen. Die männlichen blühen früher, geben Pollen ab und welken, während die weiblichen die Samen bilden. Die Blütenstände der weiblichen Pflanzen enthalten auch die meisten Cannabinoide und Terpene. Viele Sorten, die auf Europas Feldern wachsen, sind dagegen einhäusig und tragen männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze. Das sorgt für gleichmäßigere Bestände, in denen die Pflanzen gleich hoch werden und gleichzeitig reifen, was die Ernte erleichtert.

So wird Hanf auf dem Feld angebaut

In Mitteleuropa wird Hanf meist ab Mitte April und im Mai gesät, sobald sich der Boden erwärmt hat. Wie dicht gesät wird, hängt davon ab, was geerntet werden soll. Für Fasern sät man dicht, 60 bis 80 Kilo Saatgut pro Hektar, damit die Pflanzen lang und schlank werden und sich wenig verzweigen. Für Körner braucht man deutlich weniger, weil jede Pflanze Platz zum Verzweigen und für viele Blüten braucht.

Hanf braucht ausreichend Stickstoff, kommt aber in der Regel ohne chemischen Pflanzenschutz aus. Ein dichter Bestand beschattet das meiste Unkraut, was die Kultur auch für den Ökolandbau interessant macht. Die größte Herausforderung ist die Ernte. Die langen, zähen Fasern wickeln sich leicht um die Maschinen, und viele Landwirte mussten ihre Technik anpassen.

Wann geerntet wird, hängt von der Nutzung ab. Faserhanf wird um die Vollblüte geerntet, Körnerhanf, wenn die Samen reif sind. Viele Länder regeln den Zeitpunkt zusätzlich, damit der THC-Gehalt vorher geprüft werden kann. In Deutschland darf die Ernte zum Beispiel erst beginnen, wenn die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) sie freigegeben hat oder eine Kontrolle auf der Fläche stattgefunden hat.

Wofür wird Hanf verwendet?

Fast die ganze Pflanze lässt sich nutzen. Der Stängel liefert Fasern für Textilien, Seile und Dämmstoffe, und der holzige Kern, die Schäben, wird mit Kalk zum Baustoff Hanfkalk gemischt. Die Samen werden zu Öl gepresst oder geschält gegessen. Blüten und Blätter enthalten CBD und andere Cannabinoide sowie Terpene, die Aromastoffe, die jeder Sorte ihren Duft geben. Diese Kombination macht die Blüte für CBD-Produkte interessant, und hier kommt auch der Entourage-Effekt ins Spiel: die Theorie, dass sich die Stoffe der Pflanze gegenseitig verstärken und ausgleichen. Mehr über die verschiedenen Stoffe erfährst du in Cannabinoide: Alles, was du wissen musst.

Darf man Hanf zu Hause anbauen?

Beim Nutzhanf lautet die Antwort nein. In Deutschland dürfen nur landwirtschaftliche Unternehmen Nutzhanf anbauen. Sie müssen zertifiziertes Saatgut einer in der EU zugelassenen Sorte mit höchstens 0,3 Prozent THC verwenden und den Anbau bis zum 1. Juli bei der BLE anzeigen. Hanfsamen aus dem Lebensmittelhandel oder aus Vogelfutter sind kein zertifiziertes Saatgut.

Anders ist es beim privaten Eigenanbau nach dem Cannabisgesetz. Seit April 2024 dürfen Erwachsene, die in Deutschland wohnen, bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig zu Hause anbauen, unabhängig von der Sorte. Pflanzen und Ernte müssen vor Kindern und Dritten geschützt werden, und es gelten die Besitzgrenzen von 50 Gramm zu Hause und 25 Gramm unterwegs. Mehr dazu erfährst du in Ist Cannabis in Deutschland legal?

Hanf kehrt auf Europas Felder zurück

Das Interesse der Landwirte an Hanf ist schnell gewachsen. Laut der Europäischen Kommission stieg die Anbaufläche für Faserhanf in der EU von 20.540 Hektar im Jahr 2015 auf 33.020 Hektar im Jahr 2022, während sich die Erzeugung fast verdoppelte. Frankreich steht für mehr als 60 Prozent der EU-Produktion, Deutschland folgt mit 17 Prozent auf Platz zwei. Hanf passt außerdem oft gut in die Fruchtfolge und hinterlässt den Boden meist in gutem Zustand für die nächste Kultur.

Wenn du wissen möchtest, wie fertige Hanfblüten aussehen und duften, findest du sie bei unseren CBD-Blüten.

Häufige Fragen zum Hanfanbau

Darf man Hanf zu Hause anbauen?

Nutzhanf dürfen nur landwirtschaftliche Unternehmen anbauen. Nach dem Cannabisgesetz dürfen Erwachsene aber bis zu drei Cannabispflanzen zu Hause anbauen.

Kann man Hanfsamen aus Vogelfutter oder dem Supermarkt aussäen?

Nein. Für den legalen Anbau von Nutzhanf braucht man zertifiziertes Saatgut einer in der EU zugelassenen Sorte.

Wie viel THC darf Nutzhanf enthalten?

Höchstens 0,3 Prozent. Diese Grenze gilt seit 2023 in der gesamten EU.

Wie lange dauert der Anbau von Hanf?

Etwa vier bis fünf Monate von der Aussaat bis zur Ernte, je nach Sorte und je nachdem, ob für Fasern oder Körner angebaut wird.

Wann blüht Hanf?

Hanf ist eine Kurztagspflanze und beginnt zu blühen, wenn die Nächte länger werden. In Nordeuropa blühen viele Sorten schon im Juli.

Quellen

  • Europäische Kommission. Hanf. Landwirtschaft und ländliche Entwicklung.
  • Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Bayern. Anbauhinweise Faserhanf.
  • Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Bayern. Anbauhinweise Körnerhanf.
  • Technologie- und Förderzentrum (TFZ) Bayern. Rechtliche Regelungen zum Anbau von Nutzhanf.
  • Salentijn, E. M. J. et al. (2019). The Complex Interactions Between Flowering Behavior and Fiber Quality in Hemp. Frontiers in Plant Science, 10, 614.
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