Zwei Jahre deutsches Cannabisgesetz - was die Daten zeigen

Am 1. April 2024 wurde Deutschland zum größten EU-Land, das Cannabis für den Erwachsenengebrauch legalisierte. Zwei Jahre später liegen die Ergebnisse vor - und sie sind für all jene, die eine Katastrophe prophezeit hatten, schwer zu erklären.

Das Forschungsprojekt EKOCAN, das die Auswirkungen des Cannabisgesetzes (CanG) wissenschaftlich begleitet, hat seinen zweiten Bewertungsbericht veröffentlicht. Das Fazit: Die zentralen Warnungen der Legalisierungsgegner haben sich nicht bewahrheitet. Der Jugendkonsum ist nicht gestiegen. Der Schwarzmarkt ist nicht gewachsen. Und die Polizei verbringt weniger Zeit mit Cannabisfällen.

Schleifer mit Blume

Was EKOCAN tatsächlich gemessen hat

EKOCAN ist an der Universität Hamburg angesiedelt und verfolgt die Auswirkungen des Cannabisgesetzes seit seinem Inkrafttreten. Der zweite Bewertungsbericht, der zum zweijährigen Jahrestag des Gesetzes veröffentlicht wurde, umfasst 222 Seiten und stützt sich auf eine deutlich breitere Datenbasis als der erste Bericht.

Eine der rigoroseren Methoden war das Abwassermonitoring. Im Rahmen des Programms AMoCan wurden THC-COOH-Konzentrationen in 15 deutschen Städten vor und nach der Reform verfolgt - mit insgesamt 3.239 Messungen auf beiden Seiten des Aprils 2024. Das Ergebnis: Es wurde kein signifikanter kurzfristiger Effekt auf den Cannabiskonsum festgestellt.

Das ist keine politische Aussage. Das sind Abwasserdaten.

Cannabisbedingte Straftaten sanken von etwa 174.000 Fällen im Jahr 2023 auf rund 62.000 im Jahr 2024 - ein Rückgang von etwa 64%. Berlin verzeichnete allein einen Rückgang der registrierten Cannabisdelikte um 70%. Polizei- und Gerichtsressourcen, die bisher in Kleinstmengenverfahren gebunden waren, stehen nun für andere Aufgaben zur Verfügung.

Auch bei cannabisbedingten Gesundheitsvorfällen, Notrufen oder Krankenhauseinweisungen wurden keine nennenswerten Anstiege verzeichnet.

Zum Jugend- und Erwachsenenkonsum

Bei Erwachsenen zeigen die Daten einen leichten Anstieg bei der Lebenszeit- und Gelegenheitsnutzung - dieser ist jedoch konsistent mit einem bereits vor der Legalisierung bestehenden Trend. Es gibt keine Belege für einen legalisierungsbedingten Anstieg.

Bei Jugendlichen ist der Konsum stabil geblieben oder leicht zurückgegangen. Auch die Risikowahrnehmung unter Jüngeren ist weitgehend stabil, mit Hinweisen darauf, dass sie Cannabis seit Inkrafttreten des Gesetzes etwas häufiger als riskant einschätzen.

Finn Hänsel, Gründer der Sanity Group, bringt es auf den Punkt: "Die Reform verdient eine seriöse, wissenschaftlich fundierte Bewertung und keine übereilte politische Kurskorrektur."

Woher das Cannabis tatsächlich kommt

Hier wird das Bild komplizierter. Der jährliche Cannabisbedarf in Deutschland wird auf 670 bis 823 Tonnen geschätzt. Die legalen Versorgungskanäle decken davon nur einen Bruchteil ab:

  • Medizinisches Cannabis: deckt etwa 9-13% des Gesamtbedarfs. Der Markt hat sich 2025 mehr als verdoppelt, mit bis zu 200 Tonnen verfügbarem medizinischen Cannabis - aus Importen und 2,6 Tonnen inländischer Produktion.
  • Anbauvereinigungen: weniger als 400 zugelassene Verbände Ende 2025, was weniger als 0,1% des Gesamtangebots entspricht.
  • Eigenanbau: deutlich gestiegen - von 5,4% der Konsumenten im ersten Halbjahr 2024 auf 21,4% im zweiten Halbjahr 2025.
  • Soziale Weitergabe (Peer-to-Peer): betrifft 35,2% der Konsumenten im zweiten Halbjahr 2025.

Frühe EKOCAN-Daten zeigten, dass der Schwarzmarkt bereits nach acht Monaten des Cannabisgesetzes um fast 50% geschrumpft war. Bei intensiven Konsumenten gaben 88,4% an, in den vergangenen sechs Monaten legal produziertes Cannabis bezogen zu haben. Das ist eine erhebliche Verschiebung in kurzer Zeit.

Das Argument des Bundesverbands Cannabis Wirtschaft (BvCW) lautet nicht, dass der Schwarzmarkt nicht geschrumpft sei - das hat er eindeutig. Ihr Punkt ist, dass man ohne regulierten Einzelhandel nicht die volle Strecke gehen kann. Die verbleibende illegale Versorgung wird durch Eigenanbau und Anbauvereinigungen allein nicht verschwinden.

Was noch fehlt

Das deutsche Cannabisgesetz sieht zwei Säulen vor. Die erste - Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen pro Erwachsenem und mitgliederbasierte Anbauvereinigungen - ist inzwischen in Kraft. Die zweite Säule, regulierte Einzelhandelspilotprogramme in bestimmten Regionen, war von Anfang an geplant, hat aber keine Fortschritte gemacht. Bis heute wurde keine einzige Pilotbewerbung genehmigt.

BvCW-Präsident Dirk Heitepriem und Geschäftsführer Michael Greif sind in ihrer Position klar: Regulierter Einzelhandel ist notwendig, um das Gesetz zu vollenden. Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbandes (DHV), teilt diese Einschätzung. Das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beaufsichtigt das Anbauvereinigungsprogramm, doch die Einzelhandelsfrage bleibt politisch ungelöst.

Der EKOCAN-Bericht benennt fünf Verbesserungsbereiche: Reform der Anbauvereinigungen, Frühinterventionsprogramme, Finanzierung der Suchtberatung, Stärkung der Strafverfolgungskapazitäten und Regulierung des Medizinalcannabismarktes. Das sind keine Argumente gegen das Gesetz - sondern Argumente für seinen weiteren Ausbau.

Der politische Lärm

Nicht alle ziehen mit. Einige Minister haben das Cannabisgesetz als "vollständiges Scheitern" bezeichnet - eine Einschätzung, die angesichts der Datenlage schwer zu begründen ist, aber echten politischen Druck widerspiegelt. Wenn die Kriminalstatistiken sich verbessern und der Jugendkonsum sinkt, wird das Argument gegen die Legalisierung schwerer zu halten. Das bedeutet nicht, dass es verschwindet.

Die Antwort des BvCW ist konsistent: Das Gesetz an seinen eigenen Zielen messen, der zweiten Säule eine Chance geben und eine funktionierende Reform nicht aus politischen Gründen aushöhlen.

Was das für den Rest Europas bedeutet

Deutschland ist der größte legale Cannabismarkt in der EU, und was dort geschieht, setzt einen Präzedenzfall. Zwei Jahre Daten geben anderen Regierungen etwas Konkretes, worauf sie sich beziehen können - die Kriminalität ist gesunken, der Jugendkonsum ist nicht gestiegen, keine Gesundheitskrise ist eingetreten.

Die Niederlande führen ihr eigenes reguliertes Versorgungsexperiment durch, und die Ergebnisse des ersten Jahres erzählen eine ähnliche Geschichte. Die Tschechische Republik schreitet bei der Legalisierung voran zu. In ganz Europa zeichnet sich ein Muster ab.

Die Frage ist nicht mehr, ob regulierte Cannabismärkte in Europa funktionieren können. Deutschlands Zweijahres-Daten legen nahe, dass sie es können. Die Frage ist, wie schnell die Regierungen bereit sind, sie richtig aufzubauen.

Wir sind im Juni auf der Mary Jane Berlin

Jedes Jahr besuchen wir die Mary Jane Berlin, eine der führenden Cannabisfachmessen Europas. Dieser Juni ist nicht anders. Wenn Sie im deutschen Markt tätig sind - als Händler, Distributor oder Marke - und sich treffen möchten, kontaktieren Sie uns und wir vereinbaren einen Termin.

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